Gespenst contra WLAN

Spukgestalten haben es auch nicht mehr leicht in unseren digitalen Zeiten.

Was nützen  Kettengerassel und schauriges Gestöhne, wenn nächtens auf dem Tablet grade ein blutrünstiges Zombiefilmchen läuft? Im Würzburger Theater am Neunerplatz versucht sich jetzt „Das Gespenst von Canterville“ vergeblich und vergnüglich daran, jungen Menschen das Gruseln zu lehren.

Ausgerechnet Ferien auf dem Spukschloß hat die resolute Frau Otis (Emma Zöller) für sich und ihre Kinder gebucht. Blöd nur, dass es im alten Gemäuer keinen WLAN Empfang gibt, was die ungestümen Töchter Marilyn (Martina Joswig), Monroe (Clara Sweeney) und Claire (Antonia Joswig) so richtig auf die Palme bringt. Nur die versonnene Virginia (Lisa Sweeney) weiß sich mit so ödem Kram wie Bildermalen zu beschäftigen.

Angst einjagen? Fehlanzeige!
Als der spukende Sir Simon de Canterville (Martin Benthe) beginnt, sein unheimliches Unwesen zu treiben, hat er bei der pragmatischen Familie Otis mal so richtig schlechte Karten. Angst einjagen Fehlanzeige. Frau Otis hat für den armen Geist immer irgendein Hausmittelchen parat, sei es fürs Kettenschmieren oder zur körperlichen Kräftigung. Die Töchter dagegen traktieren ihn viel lieber gleich mit Sofakissen.
Nur Haushälterin Ms. Umney (Stephanie Foerster) kippt bei Kettenrasseln und Blutflecken auf dem Teppich noch aus den Latschen. Und den gelassenen Hausherrn Sir Oscar (Ian Frey) bringt so schnell eh nichts aus der Ruhe. Schließlich macht sich die zurückhaltende Virginia dann doch daran, dem leidgeprüften Gespenst zu helfen…

Regisseur Sven Höhnke und sein junges Ensemble holen mit „Das Gespenst von Canterville“ nach Oscar Wilde aus zum höchst unterhaltsamen Rundumschlag gegen überbordende Nutzung digitaler Medien. Und das natürlich ohne moralinsauren erhobenen Zeigefinger, sondern mit dem richtigen Gespür für Pointen, Witz und Timing. Eine kurzweilige Mahnung natürlich auch an alle Erwachsenen, den eigenen Touchscreen mal unberührt zu lassen.


Eva Werner
18. November 2018

Aufführungen jeden Freitag und Sonntag bis zum 21. Dezember, Beginn um 16 Uhr, Ausnahmen: Freitag 14. Dezember um 14 Uhr und 16. Dezember um 11 Uhr. Karten unter Tel.: (0931) 415 443.