Darüber spricht man nicht… am 12.06.19 Theater Open Air

Weitere Vorstellungen im Theater Ensemble am 25. und 26. Mai (jeweils 15.30 Uhr). Das Stück wird auch als Tourneetheater, begleitend zum Sexualkundeunterricht der 4. und 6. Klassen unterwegs sein.

Die Erwachsenen kichern mehr als die Kinder. Scheinbar macht es das ältere Publikum nervöser als das junge, wenn es darum geht, Tacheles zu reden. Doch genau das steht am auf dem Plan im Würzburger Theater Ensemble bei der Premiere eines ganz besonderen Theaterprojekts.

„Darüber spricht man nicht“ heißt es, und so hieß es früher mal, wenn es darum ging, wo denn eigentlich die Kinder herkommen. Damals – 1973 – war das Anlass für das Berliner Kindertheater Rote Grütze ein Stück zu machen, das eben genau das tut: sprechen, erklären, aufklären. Darüber, was den Mann zum Mann und was die Frau zur Frau macht, was passiert, wenn man groß wird und wie das ist mit Liebe und Lust, mit Sexualität und all den Fragen, die sich da auftun. Als die Regisseurin und Lehrerin Britta Schramm das Stück gut viereinhalb Jahrzehnte später in die Hand nahm, stellte sie fest, dass die Gesellschaft, was das Aufklären der Kinder angeht, keineswegs unverkrampfter sondern ehr prüder geworden ist.
Spaß statt Verklemmung

Schramms Inszenierung packt somit an, was dringend nötig ist: darüber reden, ohne Angst. Statt Verklemmung, Vorurteilen und Blatt vorm Mund gibt es klare Fakten, ganz viel Spaß, Schwung und kreative Ideen bei dieser „großen Schau von Mann und Frau“. Und Musik. Die haben Sophia Mix und Daniel Largé (der auch mit auf der Bühne steht) beigesteuert. Ein wenig musste, wie Britta Schramm anfangs erklärt, natürlich modernisiert werden – behutsam, aber doch, denn auch neue Phänomene wie Cybermobbing werden angesprochen. Behutsam ist bei alledem nicht nur die Modernisierung, sondern die grundsätzliche Herangehensweise, die Schramm und ihr herrlich unerschrockenes Schauspieler-Team wählen: definitiv offen, doch an keinem Punkt unangemessen oder gar unangenehm.

Das ist wichtig, gerade in einer Welt der per Smartphone ständig und überall verfügbaren ungefilterten Inhalte. Unbefangen und natürlich an die natürlichste Sache der Welt heranzugehen und Kindern ab der vierten Klasse damit einen positiven Ansatzpunkt mitzugeben, ist allen Mitwirkenden ein spürbar großes Anliegen. Außer Daniel Largé spielen noch Karolin Benker vom Theater Ensemble, Christian Perleth (Zauberer ZaPPaloTT) und die Schauspielerin und Sonderpädagogin Annika Roth.

Hut ab vor diesem Quartett, das nicht nur sympathisch und lebendig spielt, sondern auch fröhlich in Interaktion mit dem Publikum geht, und das auf alle, aber auch wirklich alle Fragen eingestellt ist.

MAINPOST-Kritik 2