„Und wenn die Welt voll Teufel wär“:

Die vielen Seiten des Reformators

 

Die Musiker – Richard Roblee (Gesang und Posaune), Milena Ivanova (Violoncello), Thomas Buffy (Violine), Johannes Liepold und Dirk Rumig (Saxofone, Klarinetten, Flöten), Wolfgang Kriener (Kontrabass) und Uli Kleideiter (Schlagzeug) – verschmelzen in dieser Performance Texte von und über Luther mit improvisierter Kammermusik, mit Kirchenliedern des Reformators und mit deren tänzerischer Umsetzung „in die physische Welt“ (Sprecherin und Schauspielerin Britta Schramm) durch Alexandra Schwartz.

 

Der Abend vergeht wie im Flug

Der immerhin eindreiviertelstündige Abend vergeht dabei wie im Fluge, ist farbig und abwechslungsreich. Nicht nur das an Luthers Biografie orientierte Konzept und dessen hochdramatisch und intensiv gespielte Umsetzung hat daran Anteil. Die Musik fügt sich sensibel und passgenau ein: Ausgangspunkt sind Lieder wie „Ein feste Burg“, „Aus tiefer Not“ oder „Verleih uns Frieden“. Aus deren eingängigen, jedoch harmonisch und besetzungstechnisch spannungsreichen Arrangements, die die Ensemblemitglieder beigesteuert haben, entwickeln sich feine Jazznummern bis hin zu atonalen Ereignissen.

Facettenreiches Gesamtkunstwerk

Als es um ein dunkleres Kapitel der Person Luthers geht: dessen Hetze gegen Muslime, Hexen und Juden. „Und wenn die Welt voll Teufel wär“, so Martin Luther, der Reformator, Ketzer, Revolutionär, Schriftsteller und Tröster. Die fabelhaft agierende Britta Schramm keift diese Worte heraus und wagt die provokative Frage, ob Luther zumindest in dieser Hinsicht vielleicht ein paar Jahre zu spät gestorben sei.

Ein facettenreiches Gesamtkunstwerk, ein anspruchsvoller Abend, den die durchaus geforderten Besucher mit starkem Beifall aufnehmen.