Muntere Inszenierung begeistert am Neunerplatz
Ein Komet spielt Schädlingsbekämpfer und befreit die Erde vom „Ungeziefer Mensch"? für den ukrainischen Autoren und überzeugten Marxisten Jura Soyfer (1912-1939) jedenfalls diente eine solche Katastrophe als Grundlage für seine satirisch-kabarettistische Abrechnung „Zwischen Himmel und Erde".
Das Würzburger Theater am Neunerplatz zeigt das aktuell gebliebene szenische Stück jetzt in einer munteren Inszenierung. Die Erde sorgt seit einiger Zeit für erhebliche kosmische Turbulenzen, was der Sonne (Kristina Förster) gehörig missfällt. Verstimmt beruft sie den Planetenrat ein. Vom eilig herbeizitierten Mond erfährt der Rat, dass sich die Erde einen Virus namens Mensch eingefangen habe. Gemeinsam mit den Planeten Mars (Bernd Stollberger), Venus (Iris Schelhorn u. Ali Schwartz) und Saturn (Hubertus Grehn) verordnet der strahlende Fixstern der Erde eine drastische Radikalkur.
Komet auf Kollisionskurs
Sie schicken den zufällig vorbeisausenden Kometen (Thomas Rehda), der eigentlich nur eine Sternschnuppe (Sophia Lother)
besuchen wollte, auf Kollisionskurs. Sternenforscher Professor Guck (Britta Schramm) sieht eine drohende Katastrophe durch ihr Teleskop und will die Menschheit warnen. Die ist aber zu sehr mit sich selber und der eigenen Profitgier beschäftigt, um den drohenden Weltuntergang wirklich ernst zu nehmen.
Regisseur Harald Rauenbusch und sein Team setzten „Zwischen Himmel und Erde" zeitgemäß und mit allerlei aktuellen Anspielungen um. Neben der fassungslosen Hauptfigur Guck (Britta Schramm, famos wie immer) wechseln die Darsteller flott und wandlungsfähig von Figur zu Figur. Auf Radiodurchsagen folgen Politiker-Treffen, auf Strassenszenen Büroalltag.
Ursula Salomon und Nicole Madelyn beweisen mit ihren hübsch nostalgischen Kostümen viel Sinn für den gewissen Chic, August Stern schlägt mit seiner Bühne eine Brücke zwischen patinierter Vergangenheit und digitaler Gegenwart. Lichttechniker Sven Höhnke hat manch überraschendes kosmisches Ass im Ärmel. Und Wolfgang Salomon und Ralph Sövesandts Musik wabert sich sphärisch dicht, nicht nur der singenden Säge wegen, direkt in den Gehörgang.
15. November 2010
Main-Post von Eva Werner
Muntere Inszenierung begeistert am Neunerplatz
Ein Komet spielt Schädlingsbekämpfer und befreit die Erde vom „Ungeziefer Mensch"? für den ukrainischen Autoren und überzeugten Marxisten Jura Soyfer (1912-1939) jedenfalls diente eine solche Katastrophe als Grundlage für seine satirisch-kabarettistische Abrechnung „Zwischen Himmel und Erde".
Das Würzburger Theater am Neunerplatz zeigt das aktuell gebliebene szenische Stück jetzt in einer munteren Inszenierung. Die Erde sorgt seit einiger Zeit für erhebliche kosmische Turbulenzen, was der Sonne (Kristina Förster) gehörig missfällt. Verstimmt beruft sie den Planetenrat ein. Vom eilig herbeizitierten Mond erfährt der Rat, dass sich die Erde einen Virus namens Mensch eingefangen habe. Gemeinsam mit den Planeten Mars (Bernd Stollberger), Venus (Iris Schelhorn u. Ali Schwartz) und Saturn (Hubertus Grehn) verordnet der strahlende Fixstern der Erde eine drastische Radikalkur.
Komet auf Kollisionskurs
Sie schicken den zufällig vorbeisausenden Kometen (Thomas Rehda), der eigentlich nur eine Sternschnuppe (Sophia Lother) besuchen wollte, auf Kollisionskurs. Sternenforscher Professor Guck (Britta Schramm) sieht eine drohende Katastrophe durch ihr Teleskop und will die Menschheit warnen. Die ist aber zu sehr mit sich selber und der eigenen Profitgier beschäftigt, um den drohenden Weltuntergang wirklich ernst zu nehmen. Regisseur Harald Rauenbusch und sein Team setzten „Zwischen Himmel und Erde" zeitgemäß und mit allerlei aktuellen Anspielungen um. Neben der fassungslosen Hauptfigur Guck (Britta Schramm, famos wie immer) wechseln die Darsteller flott und wandlungsfähig von Figur zu Figur. Auf Radiodurchsagen folgen Politiker-Treffen, auf Strassenszenen Büroalltag. Ursula Salomon und Nicole Madelyn beweisen mit ihren hübsch nostalgischen Kostümen viel Sinn für den gewissen Chic, August Stern schlägt mit seiner Bühne eine Brücke zwischen patinierter Vergangenheit und digitaler Gegenwart. Lichttechniker Sven Höhnke hat manch überraschendes kosmisches Ass im Ärmel. Und Wolfgang Salomon und Ralph Sövesandts Musik wabert sich sphärisch dicht, nicht nur der singenden Säge wegen, direkt in den Gehörgang.